ERREGEND UND FESSELND: „Die Nachttelefonate" – Ein Musik-Monodrama

nostni-razgovoriDass man mit minimaler Ausstattung und mit lediglich drei Künstlern - einer Sängerin, einem Sprecher sowie einer Pianistin - das Publikum eine Stunde lang fesseln kann, zeigt das Stück „Die Nachttelefonate" des bulgarischen Komponisten Niko Woron. Eine Mischung aus Theaterstück und Ein-Personen-Oper. Minimalistisch und doch prall von Musik, Emotionen, Klängen und auch Stille. Ein kurzweiliger, berauschender und betörender Abend.

Es ist Freitagabend. Eine Psychotherapeutin kommt erschöpft nach Hause, endlich den Stress hinter sich lassen - also Musik an und Wein einschenken. Doch schrilles Telefonläuten reißt die Frau aus ihrer Ruhe, eine Patientin erzählt von ihren neuesten Erfahrungen. Diese Stelle markiert den Anfang einer Serie von Telefonanrufen, die verschiedene Aspekte ihres Lebens aufgreifen. Sogleich folgt der verheiratete Liebhaber, den die Psychotherapeutin durch ihren verführerischen Gesang „für immer und ewig" haben will...
Innerhalb einer Stunde enthüllt die Frau auf der Bühne ihren Körper und ihre Seele. In ihren monologischen Selbstreflexionen und Telefongesprächen geht es um Beziehungen, Sex, Politik und Kindheit - teils gesprochen, teils in anspruchsvollen, alle Stimmlagen durchlaufenden Gesangsstücken. Durch den authentischen Text und die ausdrucksvolle Musik wird das Publikum gut in den Prozess der Selbstentdeckung und Reflexion eingebunden. Vor seinen Augen spielt sich eine innere Wandlung ab - als Chance zur Entdeckung neuer persönlicher Werte. Die Lieder, die man als Arien bezeichnen kann, sind sie doch Teil eines Musikdramas und drücken sowohl Inhalte als auch Gefühle aus, dienen der inhaltlichen Betonung emotionaler Schwerpunkte, die die Frau durchläuft. Auf der Suche nach Freiheit und Liebe, die die teuerste und oft unerreichbarste Sache der Welt ist, blickt die Frau auf ihr bisheriges Leben zurück. Ein dramatisches Ereignis beendet die spannungsgeladene Geschichte abrupt. Dennoch liegt – das darf man an dieser Stelle verraten - im Schluss des Monodramas etwas Tröstliches.
Als innere Stimme und „Über-Ich" der Frau fungiert der „Geist", der oftmals aus dem Geschehen heraustritt und ihre Erlebnisse durch schlichte Erzählungen untermalt.

Über die Künstler:
Die aus Sofia stammende Sängerin Nadja Klintsch ist bereits seit 25 Jahren auf europäischen Bühnen zu sehen. Sie war Teil etlicher Opernproduktionen und langjährige Solistin des „Klangforum Wien", seit 20 Jahren ist ihr Lebensmittelpunkt Wien. Musikalisch begleitet wird sie von der Wiener Pianistin Birgit Streicher. Niki Hintermayer, sprech- und stimmtechnisch sowie schauspielgeschulter Jura-Student, erweist sich als unaufdringlicher, dennoch äußerst präsenter „Geist". Für den bekannten Volkstheater-Schauspieler Sebastian Eckhardt sind „Die Nachttelefonate" die zweite Regiearbeit.
Die Musik und der Text stammen vom bulgarischen Komponisten Niko Woron, der in Sofia nicht nur Komposition, sondern auch Operngesang studiert hat. Seine auf Theatralik fokussierte Musik gefällt, wühlt auf, erschreckt und zieht einen in die Geschichte. Seine Arien haben opernhafte Züge, vor allem in Stimmumfang und technischem Anspruch, gleichzeitig erinnern seine Melodien in angenehmer Weise immer wieder an Musicals oder Filmmusik.
Der 2011 vom bmu:kk ausgezeichnete Niko Woron brachte in Österreich bereits vielfältige Werke auf die Bühne, wie etwa das Kindermusical „Der Wolf und seine sieben Freunde", das Bühnenwerk „Die Stadtmusikanten aus dem Burgenland" oder den Liederzyklus „Wein und Liebe" und arbeitet, als Texter und Komponist, bereits an seinen nächsten Werken.

Weitere Aufführungen:
17. Juni 2014, 19:30 im Off-Theater, Kirchengasse 41, 1070 Wien